Belladonna.
Karin Slaughter, Teja Schwaner
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Erscheinungsjahr: 2003
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Genre: Städte & Regionen
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ISBN: 3499232308
| Verlag: Rowohlt Tb.
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Verlagsnummer: 11., Aufl.
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Listpreis in €:
| Preis gezahlt in €:
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Anzahl Seiten: 411
| Format: Broschiert |
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| Meine Wertung: |
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Zusammenfassung: Lesen Sie es nicht, wenn Sie allein sind. Lesen Sie es nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Aber lesen müssen Sie Belladonna.", preist der "Mirror" auf der Buchrückseite das Erstlingswerk von Karin Slaughter an. Ist "Belladonna" wirklich ein Muss? Es fängt eigentlich gar nicht so schlecht an. Die Kinderärztin und Gerichtspathologin Sara Linton findet in der Toilette eines Diners die sterbende Sibyl Adams. Die blinde Collegeprofessorin wurde nicht nur übel aufgeschlitzt, sondern auch noch brutal vergewaltigt. In ihrem Blut lässt sich eine Überdosis des Giftes der Tollkirsche nachweisen. Police Chief Jeffrey Tolliver, Saras Exmann, begreift schnell, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Mord handeln kann, viel mehr stellt sich schnell heraus, dass er christliche Motive zu haben scheint. Wenige Tage später geschieht dann etwas, dass diese Theorie untermauert. Eine junge Studentin wird nackt, brutalst vergewaltigt und in Kreuzform drapiert auf Saras Auto gefunden. Ihre Hände wurden von Nägeln durchbohrt und auch sie wurde mit Belladonna betäubt. Zuerst scheint es so, als ob man ihr Leben retten könnte, aber schließlich begeht sie Selbstmord. Für Jeffrey beginnt jetzt eine Art Wettlauf, weil weitere Opfer nicht auszuschließen. Er merkt noch nicht mal, dass seine Kollegin Lena, Sybils Zwillingsschwester, eines Tages verschwunden ist. Hilfe bekommt er schließlich als Sara ihm ein Geheimnis offenbart, dass sie lange mit sich herumgetragen hat und das geradezu schreckliche Parallelen zur aktuellen Mordserie offenbart. Denn auch Sara wurde einmal vergewaltigt... Belladonna" hat kein bisschen die Wirkung, die der Mirror" prophezeit. Bereits die ersten Seiten langweilen mit einem recht unemotionalen, distanzierten Schreibstil, der die Figuren nicht besonders lebendig erscheinen lässt. Dadurch wirken sie ein bisschen eindimensional, normal, erinnern stellenweise sogar an Charaktere aus Frauenromanen. Als dann der erste Mord passiert, hofft der Leser, die Geschichte möge nun endlich in Gang kommen. Doch sein Eifer wird durch eine allzu klinische, nicht wirklich aufwühlende Beschreibung der Ermordeten gedämpft. Hier kommt noch nicht mal Ekel auf, hier liest man einfach drüber und fragt sich, ob die Geschichte eigentlich auch mal los geht. Naja, sie geht immerhin weiter. Erstmal. Weitere Morde und Vergewaltigungen. Nur wenig Spannung. Keine gestalterischen Mittel in diese Richtung. Dabei hätte vermutlich alleine eine Täterperspektive - bewährt, aber immer wieder effektiv - geholfen. Doch stattdessen quält sich der Leser durch weitere Seiten und wird noch nicht mal auf die Auflösung des Falls scharf gemacht. Es gibt nämlich leider auch nicht diese kleine Spur, die immer wieder im Handlungsstrang auftaucht und erste Hinweise auf den Täter gibt, die der Leser vielleicht bereits mit Wissen, das über das der Ermittlerfigur hinausgeht, verfolgen kann. Ab der Mitte des Buches baut Slaughter zwar eine Spur ein, aber man merkt sofort, dass es die falsche ist. Sie wird zu schnell aufgeklärt und hat den Namen Spur" eigentlich gar nicht verdient. Und dann schließlich die Auflösung. Eine Auflösung, die sehr abrupt kommt und keinerlei Überraschungsmoment enthält. Oder vielleicht doch. Den Überraschungsmoment, dass der Leser damit überfallen wird. Er konnte diesen Ausgang noch nicht mal ahnen, weil ihm dazu das Wissen von damaligen Ereignissen in Saras Leben fehlt. Dadurch fiebert man am Ende nicht mit, sondern fühlt sich eher unbefriedigt, dass ein Buch so endet, ohne dass man es irgendwie ahnen konnte. Hinzu kommt noch, dass das Mordmotiv des Romans, Rache mit christlichem Fanatismus eindeutig enttäuschend umgesetzt wurde. Hier gibt es so viele neue Wege zu betreten und gerade Fanatismus lässt viele Möglichkeiten für sehr gut durchdachte Charaktere und Ereignisse offen, aber das scheint überhaupt nicht wahrgenommen worden zu sein. Vielmehr wirken manche Seiten des Buches wie der billige Abklatsch von anderen Geschichten dieser Art. Noch ein Aufguss, sozusagen. Der Schreibstil kann, wie bereits erwähnt, auch nicht wirklich punkten. Man könnte ihn vielleicht als normale Belletristik" einstufen. Er enthält noch nicht mal bekannte Thrillerelemente. Spannungsaufbau durch Worte fehlt so gut wie ganz. Stattdessen planare, unemotionale Sprache, teilweise etwas oberflächlich und gegen Ende sogar in ein kleines Schmalzbad kippend. Nämlich dann, wenn Jeffrey Sara gesteht, dass er sie immer noch liebt. Die Beschreibung der Mordopfer findet hauptsächlich durch ärztliche Begriffe, wenn auch nicht immer Fachbegriffe, statt und wirkt dadurch seltsam distanziert, möchte einfach nicht greifen. Sara zwang sich in die Kabine zu gehen und hockte sich vor die junge Frau. Sibyls Hemd war hochgezogen und Sara konnte einen großen, senkrechten Schnitt erkennen, der über den gesamten Unterleib verlief, den Nabel durchtrennte und am Schambein endete. Ein weiterer Schnitt, noch tiefer, hatte unter ihren Brüsten eine klaffende waagerechte Wunde hinterlassen. Von ihr stammte auch der größte Teil des Bluts, das noch immer am Körper runterrann. Sara legte die Hand auf die Wunde und versuchte, die Blutung zu stillen, aber das Blut quoll zwischen ihren Fingern hervor, als drückte sie einen Schwamm aus." (Seite 18) So in etwas verlaufen die Beschreibungen der Opfer. Mit sehr genauen, anatomischen Beschreibungen, aber mit wenig Seele. Zwar probiert die Autorin immer wieder Bilder hineinzubringen, wie der letzte Satz des Lesebeispiels oder auch Die Risse in Sibyl Adams' Haut klafften auf wie winzige feuchte Münder."(Seite 44), aber diese wirken etwas bemüht, wie ich finde. Auch die Charaktere wollen nicht wirklich vom Hocker reißen. Zu alltäglich wirken sie, zu wenig spleenig. Nicht, dass ich nur spleenige Charaktere fordere, aber Sara zum Beispiel scheint noch nicht mal irgendeinen Tick zu haben. Sie ist viel mehr die Frau in den besten Jahren, die gerade die Scheidung hinter sich hat und immer noch damit kämpft. Jeffrey wirkt ähnlich. Sehr eindimensional und nicht wirklich ausgelotet. Dementsprechend fällt es schwer, sich mit diesen Menschen zu identifizieren und sie steigern den Lesegenuss auch nicht spürbar, da sie in der Form schon tausend Mal in anderen Romanen vorgekommen sind. Letztendlich bleibt ein schaler Nachgeschmack zurück. Belladonna" hat gelangweilt. Der Schreibstil ist nicht mitreißend, obwohl bemüht. Die Charaktere hinterlassen keinen Eindruck. Die Story selbst ist zwar durchdacht, aber eher mittelprächtig für den spannungsgierigen Leser umgesetzt worden. Das Mordmotiv, verbunden mit dem Fanatismus, ist enttäuschend, da hier nicht aus dem Vollen geschöpft wurde. |
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